| Orientalisches
Tanzlexikon |
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Bauchtanz
und
Schwangerschaft
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Gaby
Mardshana Oeftering
Autorin,
Tänzerin
seit 20 Jahren, befasste sich von Anfang an mit medizinischen und im
weitesten
Sinne therapeutischen Aspekten des Orientalischen Tanzes |
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Bild Nr. 1:
Privates Foto
aus einem "Bauchtanzkurs für Schwangere" von Gaby Mardshana
Oeftering |
Dies
ist ein Thema, das nicht nur mich seit Jahren beschäftigt und zu
Forschungen
antreibt, sondern auch viele Bauchtänzerinnen,
Bauchtanzlehrerinnen
und Hebammen interessiert. Jede dieser Gruppen hat den Focus auf
anderen
Aspekten.
Eine
Bauchtänzerin
wird schwanger (und wie wir in der Szene sagen „Bauchtanz macht
fruchtbar"
- die Massage der inneren Organe und die damit verbundene gute
Durchblutung
des Beckens sind nun mal förderlich) und viele sind unsicher, wie
und ob sie jetzt weitertanzen können. Die gleiche Unsicherheit
herrscht
auf Seiten der Bauchtanzlehrerinnen, die die Schwangeren in ihren
Kursen
haben und sich jetzt für sie verantwortlich fühlen. Zwei
Punkte
gilt es dabei zu beachten. Der eine ist ersichtlich, d.h.
möglichst
keine Dabka in der Schwangerschaft. Wenn ich als Lehrerin
Rücksicht
nehmen will, unterrichte ich ein Taksim in dieser Zeit, d.h. keine
ruckartigen,
harten Bewegungen. Der andere Punkt ist weniger ersichtlich, da es sich
hierbei nicht um die Heftigkeit der Bewegungen, sondern um deren
Richtung
dreht. Als absoluter Grundsatz gilt: „ Horizontale Bewegungen beruhigen
die Gebärmutter, vertikale regen sie an." |
Horizontale
Bewegungen sind
z.B. das Hüftschieben, der korrekt ausgeführte kleine
Hüftkreis,
alle Bewegungen, bei denen das Becken nicht gekippt wird. Bewegungen
hingegen,
bei denen das Becken vor und zurück gekippt wird wie bei der
Hüftwippe
oder dem Eierkreis sind wehenfördernd, bei vielen Frauen wird der
Bauch sofort hart, diese Bewegungen sollten vermieden werden.
Für
Nicht-Tänzerinnen, die das Bauchtanzen erst in einem speziellen
Kurs
für Schwangere kennen lernen, sind diese Bewegungen absolut tabu
und
der Geburt vorbehalten.

Bild Nr. 2:
Privates Foto
aus einem "Bauchtanzkurs für Schwangere" von Gaby Mardshana
Oeftering
Der Körper
einer Frau,
die jahrelang getanzt hat, hat sich derartig an die Bewegungen
gewöhnt,
dass dort nicht die gleichen Gesetze herrschen wie für
Nicht-Tänzerinnen.
Schwangere Tänzerinnen sollten auf ihren Körper vertrauen,
sensibel
auf Ermüdung achten, obigen Grundsatz verinnerlichen und bei
Hartwerden
des Bauches sofort innehalten.
Bauchtanzlehrerinnen
sollten
sich auch immer wieder obige These vor Augen halten und ihren
Unterricht
darauf abstellen, ansonsten aber die Verantwortung in einem
Gespräch
an die Schwangere abgeben; in einem normalen Bauchtanzkurs kann die
Dozentin
nicht ihr volles Augenmerk auf eine einzige Schwangere richten, auch
fehlt
den meisten dazu der medizinische Hintergrund. Ideal ist es, wenn eine
schwangere Tänzerin, so wie es für meine Schülerinnen
der
Fall ist, dem normalen Unterricht, den ich in etwa auf sie abstimme,
bis
zum 5. oder 6. Monat folgt und dann in den Spezialkurs für
Schwangere
überwechselt, der ganz auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten
ist.
Als mir das zum ersten Mal passierte mit einer Tänzerin aus meiner
Showtruppe, dass sie sich plötzlich im Kreise von absoluten
-schwangeren
- BT-Anfängerinnen befand , dachte ich auch, das könnte
Probleme
geben. Aber das war überhaupt nicht so.
Denn ein
Schwangerenkurs
besteht ja nicht nur aus dem Bauchtanzen, sondern er beinhaltet auch
Beckenbodenübungen,
Infos zum vertikalen Gebären, Massagen, etc. und, vor allem, hier
ist der Bauchtanz kein Showtanz, sondern ein eher meditativer, ein
Medium,
das Mutter und Kind verbindet, mit dem die Schwangere Kontakt zum Baby
aufnehmen kann, mittels dessen sie ihren Bauch und ihre Schwangerschaft
im Kreis der anderen Frauen feiern kann.
Tänzerinnen
und Nicht-Tänzerinnen
(Bauchtänzerinnen sind sie ja alle) tanzen völlig harmonisch
miteinander, denn der Focus ist auf dem eigenen Bauchnabel und nicht
auf
dem der Nachbarin. Die meisten Schwangeren schließen sowieso
automatisch
und genüsslich die Augen beim Tanzen, wenn sie eine Bewegung erst
einmal verstanden haben. |
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Viele
Bauchtanzlehrerinnen
erwägen irgendwann einmal selbst einen Schwangerenkurs anzubieten.
Dazu sollten sie sich unbedingt ausbilden lassen. Der gute Wille und
die
Tatsache, dass trau selbst einmal geboren hat, genügen nicht als
Voraussetzung
und Qualifikation für einen solchen Kurs. Um sich geborgen zu
fühlen,
braucht die Schwangere die Autorität einer Kursleiterin, die ihre
Fragen beantworten kann und die mehr weiß als sie selbst. In
einem
Bauchtanz-Geburtsvorbereitungskurs trage ich die volle Verantwortung
und
muss mir 100%ig sicher sein in dem, was ich tue. Viele tun sich mit
Hebammen
zusammen, so dass sie Rückendeckung haben und sich die
Aufgabenbereiche
zwischen dem Tanz und den anderen geburtsvorbereitenden Maßnahmen
teilen können. Das ist eine sehr gute Lösung für
BT-Lehrerinnen,
die sich nicht in alle medizinischen Fragen einarbeiten wollen.

Das
Foto zeigt die bekannte Bauchtänzerin Havva
als
Schwangere.(Foto: Fa. Kroll, mit freundl. Genehmigung von Havva))
Hebammen, die
meine Fortbildungskurse
besuchen, sind weniger bestrebt, sich für spezielle Bauchtanzkurse
ausbilden zu lassen, als dass sie auf der Suche sind nach einer weniger
kopflastigen, dafür mehr sinnlichen Geburtsvorbereitung und nach
wehenfördernden
und unterstützenden Maßnahmen unter der Geburt. Das
medizinische
Wissen haben sie ja, sie interessiert die Praxis. In allen Kulturen
finden
Frauen, wenn sie unter der Geburt sich frei bewegen dürfen, zu
kreisenden
Bewegungen zur Schmerzlinderung und zum Spannungsabbau. Hier bietet der
orientalische Tanz eine Fülle an Beckenbewegungen an, die sowohl
wehenfördernd
als auch schmerzreduzierend sind.
Wenn eine
Schwangerschaft
normal verläuft (einzige Kontraindikation ist ein weicher
Muttermund),
ist der Bauchtanz unbedingt zu empfehlen:
- aus
physiologischer Sicht, weil
die Grundposition im Bauchtanz dazu führt, dass das Baby
besser
und leichter getragen wird; weil das Becken mobilisiert, der
Beckenboden
gekräftigt, die Blutzirkulation angeregt, die Atmung verbessert
wird
und Verspannungen vom Schultergürtel bis zu den Füßen
weggetanzt
werden.
- aus
emotionaler Sicht, weil
die Mutter Kontakt zu ihrem Kind herstellt (das Becken als erste Wiege
des Kindes), ihre eigene Weiblichkeit erfüllt sieht und sie feiern
kann.
- aus
mentaler
Sicht, weil eine
Frau, die ihre Schwangerschaft tanzend genießen konnte, sich
stark
und besser gerüstet fühlt für die Geburt, bei der sie
mit
Wahrscheinlichkeit eine vertikale Position einnehmen wird: Gebären
anstatt entbunden zu werden.
In diesem Sinne
wünsche
ich allen derzeitigen und künftigen Schwangeren und allen, die mit
ihnen im Geburtsgeschehen verbunden sind, dass sie sich die Wohltaten
des
Orientalischen Tanzes zu nutze zu machen verstehen und damit auf dessen
Wurzeln als Geburts- und Frauentanz zurückgehen.
Weiterführende
Literatur:
1.
Halima,
Oktober 1997:
„Schwangerschaft - auch hier ist der orientalische Tanz Lebenshilfe"
2. Deutsche
Hebammenzeitschrift
8/96: „Bauchtanz und Schwangerschaft,
Geburtsvorbereitung
durch Bauchtanz-wie passt das zusammen?"
2.
Fortbildungen zum Thema
„Geburtsvorbereitung durch Bauchtanz" mehrmals im Jahr in
Freiburg
und auf Einladung, auch in englischer und französischer Sprache
3.
Video
„Bauchtanz und Schwangerschaft",
englische Version:" Belly Dancing during Pregnancy"
(PAL
und NTSC)
Zu beziehen
über:
Gaby Mardshana Oeftering
Ringstr. 42
79108
Freiburg
e-mail: mardshana_samra
@ yahoo.de
interne Links
Der
Text ist eine freundliche Leihgabe der Tänzerin:
Mardshana
Samra / Gaby Oeftering
Falls
Sie Fragen haben, einen Workshop bzw. eine Fortbildung planen/ besuchen
wollen oder weitere Infos benötigen, wenden Sie sich bitte an die
Autorin.